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dortdrüben

Montag, 26. März 2007

Zeon

Mein Name ist Zeon.
Es mag vielleicht aussehen, als würde ich den Regen hinter der Glastür mit meiner Geige begleiten, aber ich versuche nur meine Halluzinationen zu ignorieren. Immer wieder drängen sie sich in mein Spiel. Störgeräusche, als wären es Monster, die versuchen mich auf Schallebene zu erreichen. Wie durch sanften Windhauch werden die Geigentöne weggetragen oder durch kratzende Geräusche ersetzt. Aber sie können die Melodie nicht unterkriegen. Tapfer schlägt sie sich durch noch so wilde Geräusche durch.
Jedes Mal wenn ich die Geige wieder höre, lächle ich, weil sie zu mir zurück kehrt, mich nicht im Stich lässt.
Ich weiß es ist seltsam, aber meistens weiß ich, dass ich halluziniere. Nur manchmal gebe ich mich den ersten Paar Sekunden der Täuschung hin. Sie wirken immer sehr real. Gerade jetzt entspringt hinter mir eine kleine Quelle. So einfach aus dem Boden unter der Yuka Palme. Es ist eine Miniaturausgabe einer Quelle und dennoch bleibt das Wasser so echt, dass ich versucht bin hinzusehen, hinzugehen und hinzugreifen. Aber nein. Wo ich wirklich hingreifen sollte, sind die Saiten. Ich muss mich konzentrieren. Ja, so kenne ich die Melodie, langsam, melancholisch und dennoch lebensfroh. Es ist mein Lieblingsstück. Der Regen ist so schön und meine Musik. Die Gedanken an die reale Welt lassen mich beruhigt aufatmen.
Die Halluzinationen sind immer sehr klein und unauffällig.
Aber sie werden häufiger. Meine Krankheit ist nun sehr weit fortgeschritten. Ich spüre förmlich, wie sie zur nächsten Stufe heranwächst. Wie ein richtiges Tier, das heranreift und zu einem richtigen Störenfried wird, einem Menschenfresser. Bald wird es passieren. Und es wird mich verschlingen.
Oh, wie diese Musik doch zu diesem hellgrauen Tag passt. Keiner stört uns. Mich, die Musik, den Regen und die kleine irreale Quelle.
Ich könnte niemanden um Hilfe rufen, wenn es so weit ist. Ich habe mir schon überlegt meine Eltern über meine Krankheit zu informieren oder meine Freunde. Aber gerade die würden mich dann meiden.
Genauso wie Lucas. Er hatte sie auch. Schizophrenie. Deswegen bin ich der Meinung, dass diese Krankheit ansteckend ist.
Am Tag seiner Beerdigung habe ich die ersten Symptome bei mir bemerkt.
Das Plätschern. Das übertönt mein Spiel. Meine Knochen schmerzen, ich will mich umdrehen, zu ihr, zu dieser kleinen Quelle. Ich darf nicht! Aber was für eine Erleichterung es ist nachzugeben. Ich knie mich hin zu ihr, als sähe ich etwas Langersehntes. Da ist sie, so klein und glänzend. Ich muss hingreifen. Sie ist so wild und brodelnd, und doch ist jeder Wasserstrahl so echt und sehnt sich nach einer Berührung. Nein!
Kochend heiß. Verletzt drücke ich meine Hand an mich.
Es ist nur eine Halluzination! Es tut gar nicht weh. Nur weiter spielen.
Ich ignoriere das Zittern meiner Hände als ich wieder zur Geige greife. Mehrere Blicke in die graue Ferne sind nötig um mich wieder auf das Spielen zu konzentrieren. Das Spiel stimmt nicht. Ich bekomme diese ruhige Melodie nicht mehr hin. Ich ergebe mich der Nervosität. Und es wird mit jeder Sekunde schlimmer. Warum bin ich in diesem Haus nur so verlassen? Umso ausgelieferter bin ich.
Aber was soll schon passieren, nicht? Ich rufe den Notruf, und sage denen, dass ich von einer Halluzination verfolgt werde. Lächerlich.
Ich werde weiter spielen. Musik zähmt jede Bestie.
Jede noch so schlimme Halluzination, die hinter mir lauert.

Jetzt konnte sie mich schon verletzen. So kann ich nicht spielen. Ist wirklich niemand zuhause? Ich muss mich vergewissern. Die Geige lege ich behutsam weg. Ich hoffe es ist nicht das letzte Mal, dass wir uns sehen. Vorsichtig schleiche ich aus dem Wintergarten. Die Tür lehne ich leise an. Das Halbdunkel des Korridors ist friedlich. Umsichtig gehe ich weiter. Als ich am Badezimmer vorbei bin, bemerke ich Licht. Die Badezimmertür ist offen, aus dem Spalt dringt Licht. Plötzlich wird mir klar. Das ist es. Das Licht ist das Zeichen. Die Erkenntnis und die Angst schlagen ein wie eine Bombe und lähmen mich. Wie am Boden festgenagelt, fühle ich mich. Selbst mein Herz hat aufgehört zu schlagen. Das üblicherweise so einladende orange Neonlicht strahlt für mich eine unermessliche Bedrohung aus. Aber ich kann nicht weg sehen. Ich muss es sehen. Ein perverses Verlangen zwingt mich die Tür aufzustoßen. Mein Arm bewegt sich völlig ungewollt. Ich bin doch so bewegungslos. Mein Herz macht sich plötzlich wieder bemerkbar. Es springt, die wucht des Schlages reist mich mit sich. Wohin geht nur mein Arm?! Er wird länger und länger und die Fingerkuppen stoßen schon gegen die Holzoberfläche der Tür. Ich kann dagegen nichts machen. Will ich es denn? Der Spalt wird größer. Mir scheint, als überkommt mich ein Zittern. Langsam nimmt der Lichtspalt an Breite zu. Je mehr von diesem Licht auf mich fällt desto mehr fühle ich mich verloren. Als würde jeder Partikel dieses Lichts, der auf mich fällt mich verdammen. Was wird nur die Quelle dieses Lichts sein!? Nur mein Spiegelbild. Mein Gesicht zu sehen beruhigt mich. Die Gesichtszüge glätten sich. Sofort kommen sie mir fremd vor. Es ist so seltsam Ruhig, dass mir schwindlig wird. Die Ruhe ist nicht aus der Fassung zu bringen, da lauert etwas, und wartet auf mich. Ich sollte weggehen, aber ich will wissen, was da auf mich wartet. Mein ganzer Körper ist gespannt. Warum bin ich nur in so froher Erwartung …meines Todes? Jeden Moment ist es da, es ist der Gipfel meines Wahnsinns. Meine Augen werden größer, eine kalte Schweißwelle bricht über mich herein, als ich ein Spiegelbild dreidimensional werden sehe. Ich sehe es so deutlich vor mir. Diese feinen Finger, gehüllt in das orange Licht, die langsam aus der Spiegeloberfläche herauswachsen. Meine Kehle ist trocken und ich kriege keine Luft. Ich scheine sie nicht zu brauchen. Alles ist stehen geblieben nur nichts um mich herum. Ich kann hier nicht weg, egal wie sehr ich es mir wünsche. Ich muss immerzu diese Hand anstarren, wie sie immer länger und trachtender wird.
Es ist geschehen. Eine ausgewachsene Halluzination ist aus dem Spiegel gekommen. Noch nie hatte ich so eine gehabt. Nun kann ich sie nicht mehr so einfach ignorieren. Nun ist sie hier um mich zu vernichten. Sie ist so gewaltig und tatkräftig, sie wird mich fressen! Todesangst sitzt in meinen Knochen und ich sitze wie erschlagen auf dem Boden und starre hinauf zu dieser Halluzination. Es ist der Priester, von Lukas’ Beerdigung. Mit seinem weißen Kragen. Er grinst so. wie ein lästiger Kobold.
Doch wovor habe ich Angst?
Davor, dass er mir böses tun will? Er ist doch nur eine Halluzination. Und er weiß, dass ich das weiß. Es ist, als würde eine ganz eigene Welt zwischen uns beiden existieren, die keiner sonst kennt, sieht oder jemals verstehen wird. Nur er kennt andere Welten. Er kommt aus diesen Beiden und er bringt die Schrecken aller beider mit. Er will mich dorthin mitnehmen. Dorthin wo sich die Extremen vermischen und unaufhörlicher Wahnsinn Realität ist.
Was ist das für Musik? Meine Erstarrung löst sich. Ich muss lachen. Buena Vista Social Club? Ich hätte nie gedacht, dass ich bei dieser Musik sterben werde. Sie ist doch so beruhigend. Meine Angst ist weg, sie ist über mich hinaus gewachsen. Buena Vista Social Club - es ist so absurd. Und dennoch hat es etwas Beängstigendes, Erschütterndes. Der Priester bleibt stehen. Unsere blicke treffen sich und blieben starr, erfroren.
Das Lied ist so friedlich und entspannt, wie Resignation. Als wären es Musiker eines jahrtausende alten Dorfes mit tief greifender wertvoller Kultur, das nur über eine Nacht ausgelöscht wurde und ihnen nichts anderes übrig bleibt, als sich in Mitten des ausgerotteten Platzes hinzusetzen und weiter ihre Balladen zu singen.
So ist es, sie besingen mehr als nur den Tod. Die vollkommene Auslöschung. Sie beschreiben genau diesen Moment - das Treffen bodenloser Angst mit dem Rand des Universums.

Samstag, 24. Februar 2007

Die Singenden Pelinglu

Die Pelinglu saßen immer in einem großen Kreis. Dicht bei einander in einem engen Zusammensein. Es waren Männer und Frauen. Alle sehr klein und dick und dunkelhäutig. Alle trugen ihr charakteristisches Gewand. Aber nur so wenig, dass sie lediglich das übliche traditionelle Gewand der Baru andeuteten. Der Kreis war dicht besetzt und sehr groß, denn zwischen ihnen lag schließlich die Welt. Und dennoch war sich jeder einzelne Pelinglu sehr nah. Sie waren ein Bewusstsein und doch so viele Stimmen. Jede Stimme sang jedoch die gleichen Worte. Hell und Dunkel, Männlich und Weiblich. Beides hörte sich so unterschiedlich und doch harmonisch an. In regelmäßigen Abständen saßen die Trommler. Sie gaben den Rhythmus an. mit Glocken und Trommeln. Dumpf, hell, selten und doch präsent. Die Pelinglu hörten nie auf zu singen, daher brauchte man nicht viel musikalische Untermahlung. Der Gesang alleine war herrlich genug, damit alles Lebende sich daran erfreuen konnte. Jeder Pelinglu gebar ein Wort und erzog es so lange, dass man seinen Klang voll auskosten konnte. Bei Tag erschallte der Chor mächtig und dynamisch, die Stimmen waren laut und die Worte zahlreich, enthusiastisch besangen sie die Geschwindigkeit der Welt. Bei Nacht senkte sich ihre Lautstärke und das Tempo wich einem zähflüssigen Klangfluss der so milde und melancholisch klang.
Aber nie hörten die Pelinglu auf zu singen. Jeder Laut den sie hervorbrachten, ließ etwas entstehen: Einen Grashalm, Einen Schmetterling, einen Wassertropfen. Jeder Ton ließ ein Geräusch entstehen: Einen Herzschlag, ein Lachen, ein Donnern. Jeder Buchstabe, den sie mit ihren Lippen formten, ließ etwas Einzigartiges entstehen: Ein Individuum, eine Seele, einen Moment.
Der so abwechslungsreiche Chor klang so rein und beispiellos. Jeder Pelinglu half mit seinem Singen einem Sein, auf dieser Welt. Die Existenz des Lautes bestätigte die Existenz jeden Seins, jeden Dings auf diesem Planeten. Sie selbst existierten, also existierte der Planet. Ihre Musik und ihr Gesang erklangen rhythmisch und doch verträumt über das Bewusstsein der ganzen Welt.
Keiner wollte sich ausmalen, was passieren würde, wenn die Pelinglu aufhören würden zu singen.
So wie das Singen der einzige Sinn ihres Daseins war, waren die Pelinglu der einzige Grund, warum das Volk Baru existierte. Nur zu gern würden die Baru dieser himmlischen Musik, die ihre Existenz besang, hören. Denn sie sahen, wie ihr Planet und ihre Welt, die den Gesang jederzeit hörten, dabei aufblühten. Es war fast so, als existierten die Dinge nicht nur weil ihr Dasein gesungen wurde, sondern weil sie den Gesang so liebten, dass sie einfach leben
mussten, um ihn weiter zu hören. Die Baru konnten den Gesang jedoch nur dann hören, wenn sie ihr Leben aushauchten. Dann konnten sie in das allumfassende Bewusstsein eintreten und die Musik hören, um sich zu erinnern, dass sie für sie gesungen wird, damit sie dann wieder kehren konnten.
Und so verblieben die Pelinglu, immer singend, immer im friedvollen Bewusstsein Leben zu erhalten. Sie selbst wüssten keine bessere Aufgabe, als die Worte des Lebens zu formen, zu dehnen und sie so zu einem Gesang zu verbinden. Kosmische Dunkelheit und göttliches Leuchten umgab den Kreis der singenden Pelinglu. Ohne Pause sponnen sie an dem unendlichen Lied des Lebens und geben ihre Stimmen hin, damit sie den schönsten Gesang des ganzen Universums bildeten. Sie schwankten mit, den engsitzenden Kreis mitbewegend. Lächelten und sagen sich zu, vollführten Gesten, die ihre Strophen untermalten. Sangen immer andere und neuere Lieder. Wenn man an einen Pelinglu kam, erklang jedes Wort klar und ragte für sich aus der Gemeinschaft heraus, beanspruchte seine ganz eigene Schönheit. Jedes Wort und jeder Pelinglu waren einzigartig. Doch sobald man den Kreis der Singenden Pelinglu als ganzes betrachtete, von Planeten aus horchte. War man eingetaucht in vielfältigen Gleichklang, endlose Harmonie und wohltuende Ruhe. Überwältigende Lebenslaute für die man mit jedem Zentimeter seines Körpers dankbar sein wollte.

Donnerstag, 15. Februar 2007

Der langersehnte Vorgeschmack

Sie schüttelte ihre Arme und Beine und wollte das nasse Shirt ausziehen. In dem Moment als sie es zum Ausziehen packte, kriegte sie plötzlich trockene Baumwolle zu fassen. Erschrocken sah Iam an sich herunter. Und tatsächlich bestätigte ihr ihre Haut dasselbe was ihre Augen sahen. Nämlich trockene Kleidung und trockenes Haar.
„Was zum Teufel?! Wo ist die Physik!?“ empörte sie sich schließlich. „Bin ich in Ohnmacht gefallen?“ Sie blickte sich um, als forderte sie die Antwort von der sie umgebenden Natur. „Ist das hier alles nur mein Unterbewusstsein?“ Sie war doch so oft darin, sie wusste wie es da aussah. Da gab es einen ganz Großen unterschied – nämlich dass sie bestimmte was hier wie funktionierte.
Ihr verärgertes Gesicht veränderte sich, als sie links etwas rascheln bemerkte. Sofort stieg antrainierte Wachsamkeit und ein gewisser Jägerinstinkt in ihr auf. Sie folgte dem Rascheln. Wenn das jetzt jemand von ihren Seelen sein würde, dann war es klar wo sie war.
Da wo jemand einen Ast schnell zurückschnellen ließ, schien kein leicht zu passierender Weg zu sein. Doch sie zwängte sich dennoch durch das Gebüsch und seine stacheligen oder breitblättrigen Zweige und war gar nicht mehr erstaunt, als sie durch das alles auf eine einladende Lichtung gelangte. Doch was dennoch für Überraschungseffekt sorgte, war dass es hier genauso aussah wie der obere ‚Stock’ von dem sie doch gerade gekommen war. Nur mit einigen Steinen mehr. Und auf einem von denen saß jemand.
Die Person – eindeutig eine Frau – saß mit dem Rücken zu ihr. Ihre Haut war braun und sie hatte langes schwarzes Haar, das zu einem Zopf gebunden war. Iam konnte sich an keine ihrer Seelen erinnern, die so aussah.
Die Frau schien sehr konzentriert zu sein. Aber lange konnte Iam auch nicht hinter ihr unbemerkt schleichen und Prabhati drehte sich rasch um, als das Gefühl, jemand beobachte sie bei ihrer Meditation zu stark wurde.
Als sie nun ihre unteren Arme entfaltete und sich zu Iam drehte, erschrak Iam bei dem Anblick von vier Armen und war bereit ihre Schwerter zu zücken. Doch der Schock in Prabhati saß noch tiefer. Ein Wesen mit zwei Armen – das musste ein Feind sein!
„Oh man wo bleiben meine Manieren!?“ Riss Iam sich sogleich zusammen um ihre Schwerter nicht hervorzuholen. Diplomatie und Offenheit Neuem gegenüber, das war doch angesagt bei einem vorbildhaften Menschen.
Doch Prabhati sah es anders und als wäre es etwas Selbstverständliches erschienen in ihren Händen – zwei Sicheln, die sie so gut kannte.
Darauf nicht achtend, schritt sie auf Iam zu, bereit ihren Feind aufzuschlitzen. Doch einem Ashura sah dieses Wesen nun wirklich nicht ähnlich und die weiße Haut war verräterisch das eines Dvijas. War sie eine Daiva? Sogleich rief sie ihr das entgegen, doch diese Sprache schien das Wesen nicht zu verstehen.
Iam ihrerseits versuchte es ebenso mit gutem Deutsch, Englisch … Indonesisch?
Sie gab auf. Zeichensprache war nur das einzige, was sie dazu bewegen könnte die Waffen weg zu lassen.
„Hör zu, keiner will hier jemanden angreifen…“ sie machte eine ‚ganz ruhig’ – auf und ab Bewegung mit beiden Händen und hoffte dass zumindest in diesem Falle die Zeichensprache gleich war. Aber das würde schließlich doch nicht stimmen.
Für Prabhati bedeutete diese Bewegung nämlich: ‚Ich verstehe nicht’. Das half Prabhati einzusehen, dass es wohl genauso jemand war, der sich hier nicht zu Recht finden konnte.
Prompt senkte sie ihre Arme mit den darin befindlichen Sicheln.
Genau! Die Sicheln, woher waren sie plötzlich aufgetaucht? Verwirrt blickte sie die Waffen an.
„Dann muss ich wohl tatsächlich schon ein Daiva sein!“ staunte sie für sich selbst.
Iam, die diese Worte nun verstand, war ganz Ohr und wieder motivierter.
„Verstehst du mich!?“ rief sie ihr sanft entgegen.

Samstag, 2. Dezember 2006

Die letzte Lektion

Terra 2004
Iam stellte fest, dass sie hier nun über zwei Jahre, jeden Tag aufgewacht und in diesen Spiegel gesehn hatte. Sie säufzte als sie ihre inzwischen lang gewordenen Haare sah. Ein Gefühl der Frustration breitete sich aus und fast automatisch wanderten ihre Augen nach oben. Rhymes. Hass brach in ihr aus. Sie verdrängte es schnell. Heute würde wieder ein guter Tag werden, sie wird ihn gar nicht sehen, denn heute war ein weiterer Tag bei ihrem Ausbilder - Meister Sinon. Sie Transportierte sich weg.
Meister Sinon lebte in den Bergen Japans. Früher musste sie noch mit Helikoptern hierher gebracht werden, nun kann sie sich jeden Tag hierher transportieren.
Es war wie immer ein sehr sonniger Tag und dennoch war es kalt. Sie spürte zwar die Kälte durch ihr dünnes ewißes T-shirt und ebenso wenig schützende Hose, doch sie ignorierte sie.
Es schien keiner anwesend zu sein der Tempel verlassen, sie ging hinein um nach ihrem Meister zu suchen.
Sie fand ihn ganz weit hinten in einem Zimmer auf der Schlafmatte schlafend. Sie lachte in dem Gedanken ihn noch beim Schlafen ertappt zu haben, doch er drehte sich zu ihr und bat sie sich zu ihm zu setzen.
"Was geht denn ab?" wollte sie drauf los plappern.
Sinon ignorierte die Frage. "Iam, heute wird deine letzte Lektion sein." Er sprach wie immer sehr langsam aber doch mit fester Stimme. Er blickte dabei auf die Decke.
"Du bist nun jemand, der um das Geheimnis der Umsterblichkeit weiß und wirst nicht mehr sterben, auch du selbst kannst dich nicht töten." Er machte eine Pause. "Die wichtigste Lektion all deiner Ausbildung sollte sein zu wissen, wie man damit umgeht. Es gibt nur eine Möglichkeit das Leben zu verlassen." Hier blickte er sie an. "Du musst wissen wie und vor allem wann man sein eigenes Leben beendet." damit wendete er sich wieder von ihr ab, sein weißer langer Bart folgte.
"Ich habe heute meine hundertdreiundzwanzig Jahre erreicht und habe meinen letzten Schüler ausgebildet. Das ist meine Höchste aufgabe die ich mir gestellt hatte. Ich werde nun mein Leben los lassen, du kannst mitverfolgen wie das geht." Er blickte stur nach oben, denn er wusste wie Iam reagieren würde.
In der Tat packte sie die Ungläubigeit. Sie konnte weder etwas sagen, sich noch bewegen aber auch gar nichts denken.
Meister Sinon setzte wieder zum Reden an. "WAS?" unterbrach sie ihn mit einem wütenden Schrei. Sie suchte nach überzeugenden Argumenten, das konnte er ihr doch nicht antun! "Ich bin noch nicht ausgebildet! Ich weiß die Strategieen des Dae nicht und letzens habe ich mir fast selbst die Hand abgehackt mit ihrem Schwert und ... und SIE KÖNNEN noch nicht sterben!" Sie sah, dass es zwcklos war. Der Schmerz breitete sich in ihr aus und vereinnahm sie. Er würde gehen, und sie alleine lassen. Der einzige Freund, der einzige Ort, der sie nach ihrem Verlust wieder zum Fröhlich sein gebracht hatte ... Sie zitterte vor Trauer, Wut und Schmerz.
"Folge meinen Gedanken." setzte er einfach gelassen fort.
Zwei heiße Tränen rannten über ihre Wangen und sie krümmte sich, ihre Stirn nah bei Meister Sinons Schulter ablegend. Sie hörte sein Herz Schlagen, seine Gedankenmuster schwellen. Er resignierte, ließ los, verantwortete sich vor seiner höheren Macht und gab zu, dass es Zeit war und langsam schwand sein Geist, seine Seele und der körper wurde leer und kalt. Nun konnte Iam das Weinen zulassen.

Montag, 6. November 2006

Vorgeschmack auf Teil 2

Tja, so ungeduldig ich auch bin, habe ich bereits ein bischen was von der Fortsetzung Terras geschrieben. Ich habe Iam nun mal immer noch im Kopf stecken, und außerdem habe ich kein Buch zum unterwegs lesen, und wenn man kein Buch zum lesen hat, dann schreibt man eins ;)

Aber keine Sorge, für die jenigen, wenigen, die die Geschichten wirklich verfolgen und sich nicht verwirren lassen wollen, die Fortsetzung wird es nicht bald geben. Zunächst muss ich Urvi fertig schreiben, dann Ifé, dan Achaja korrigieren und dann erst den alles Verbindenden fünften Teil schreiben, damit dieser Zyklus, von dem ich keine Ahnugn habe, wie ich ihn nennen soll, fertig ist.

é voila, eine Utopie:
Um sich in der neuen Welt ungestört umzuschauen, sollte sie ihr Kimono, das ohnehin schon dreckig wurde, umtauschen. So dachte Iam, also ging sie in den nächsten kleinen Laden, der Kleidung in den Schaufenstern ausgehängt hatte.
Nun hatte diese Zeit dummerweise nicht nur das Wirtschaftsmodell des 19. Jahrhunderts, sondern auch seine tristen Kleider, wie Iam fand.
Für Männer gab es nur braune oder schwarze Hosenanzüge und für Frauen farblose Kleider. Fast so, als hätten die Menschen in diesem jahrhundert verlernt Stoffe zu färben.
"Habt ihr denn nichts buntes?" meckerte Iam, als sie aufgab irgendeins von den Kleidern zu versuchen gut zu finden.
"Nun, im Keller haben wir einige Stoffe ..." erwiederte die selbstständige Verkäuferin, langsam. "Eine Freundin von mir ist eine ausgezeichnete Schneiderin." vergaß sie nicht zu erwähnen.
"Na zeigen sie mal her."
Beide Frauen gingen hinunter.
Die Räumlichkeiten waren nicht so groß und umstellt mit Schneiderpuppen, die die verschiedendsten Kleider trugen oder einfach mit Fetzen von Stoffen aufeiandergeworfen, überdeckt waren.
Die Besitzerin öffnete schwerfällig eine Truhe aus der die buntesten Stoffe entgegen Strahlten. Iam stürzte sich sofort darauf.
Die Stoffe waren durcheinander und vielfältig: bunt, mit Muster oder bestickt. Ein Ansatz fiel ihr auf - ein violetter Stoff mit goldenen Aufrducken. argwöhnisch zog sie es langsam heraus.
"Das ist ja Gamelan Kleidung ..." staunte sie.
"Was für Kleidung?"
"Das Trugen Gamelan Tänzer..." als die Verkäuferin immer noch nicht verstand, erklärte sie erneut. "Tänzer des Traditionellen Gamelan Theaters von Indonesien... von dort stamme ich..." Schnell machte sie Schluss mit dem Reden und begann den Stoff zurecht zu falten, streifte ihren Kimono bis auf das Unterhemd ab und legte den Stoff an die Hüften, ihn vorne zu mehreren Falten zusammenlegend und den Rest seitlich in die Hüfte reinstopfend, so das eine Ecke des goldenen Randes schräg an einem Bein herunterhing. (anm. d. A.: etwa so) Zufrieden blickte sie auf, erwartete jedoch keine Reaktion von der Verkäuferin ab und machte sich wieder an den Truheninnhalt. Sie fand noch zwei weitere solcher Stoffe in Grün und Pink.
"Das wird für Malachi sein." erklärte sie sich selbst aufgeregt. "Und diese Stoffe kann man als Sari verwenden, das als Sarrong oder Hose.." teilte sie begeistert mit. "Ich nehem sie alle." strahlte sie schließlich, einen dicken Bündel bunter Stoffe in den Armen haltend.
Darauf konnte die Besitzerin nur zufrieden lächeln.
So kam es, dass sich die nicht auffallen wollende Iam in ihren traditionellen Kleidern durch die halb zerstörten Straßen des düsteren 22. Jahrhunderts wanderte.

Parallele Welten

Da schreibt man eine Fantasy Geschichte und denkt sich, dass es lediglich ein Zeitvertreib ist doch was für eine psychoanalytische Arbeit das eigentlich ist und was für Schattenseiten der eigenen Psyche sich darin offenbaren, ist einfach faszinierend.

Natürlich, da ist zunächst die Heldin, die projektion des Autors als die "bessere Version" von ihm.
Doch die Welt in der die Heldin lebt. Das ist auch eine Projektion, ein Wunsch davon, wie sich der Autor am besten die eigene Welt haben würde. (Und deswegen glaube ich wird es ein zweiten Teil von "Terra" geben, um das genauer zu veranschaulichen.)
Auch die Bezihungen zu anderen und sich selbst werden mit den Bezihungen im Roman durchleuchtet.

ein Ausschnitt:
„Wonach suchst du? Fragst du mich nach der Antwort? Warum suchst du nach einem belebten Geist, der nie existiert hat? Du hast bereits geantwortet. Natürliche Prozesse kannst du selbst berechnen, für deinen Mangel ist nur ein Rechenfehler verantwortlich. Du bist hier auf diesem Stück Himmelskörper, und du weißt genau wie und warum er entstanden ist, nicht wahr? Das alles ist berechenbar, und das kannst du auch nachvollziehen. Da spielt nichts und niemand anders eine Rolle, als die Gesetze der Natur. Und genauso sind wir konstruiert, nach dem Gesetz der Natur. Es wurde nur ein Schritt übersprungen.“ Sie lächelte liebevoll und ging weiter.
Jaya schluckte. Ihr Blick wandte sich wieder gegen den Horizont. Sie musste protestieren. Doch wie? Was wollte sie sagen? Sie wusste es nicht, sie fand keine Wörter, suchte vergeblich nach ihnen, denn ihr Inneres gab keine Worte und kein Protest von sich. Es war so ruhig. Was Iam gesagt hatte, fühlte sich so einfach an, und sie wusste – die einfachsten Wege waren die richtigen. Von einer Minute auf die andere, sah es in ihr drin ganz anders aus, als auf diesem Planeten. Alles war beruhigt, alles stimmte und diese Richtigkeit fühlte sich gut und warm an. Sie musste lächeln.
„Also, ich weiß nicht, was ich sagen soll…“ brachte sie endlich heraus, denn irgendwie musste sie Iam ihr Gefühl mitteilen.
Iam verstand. „Mhm, fühlt sich an, als hättest du die Angst vor dir selbst verloren, was?“
Diese Worte eröffneten Jaya wieder ganz andere Perspektiven. Was sie nicht wusste – Iam genauso. Sie gestand sich all ihre Verirrungen und all das was sie ist, ein und akzeptierte es. Sie akzeptierte ihre Vergangenheit und wählte den richtigen Weg.

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Jaya, our wizard at maths

Chicago, 2009.
Es war ein gewöhnlicher Morgen, an dem sich jeder auf seinen Tag vorbereitete. Die einzige Unannehmlichkeit daran war, dass die Cafemaschine den Geist aufgegeben hatte. Doch das störte Robert nicht. Solche Lappalien kratzten ihn nicht im Geringsten. Und Jaya war sowieso zu tief in Gedanken versunken.
Die Küche, in der der Detektive sich tummelte um für Cafe zu sorgen, war lediglich eine Nische, die Aussicht auf das geräumige Wohnzimmer bot. Es war recht einfach eingerichtet, mit einer uninteressanten Couch und einem riesigen Wandregal aus dunklem Kirschenholz, das voll geräumt war mit bunten Büchern, zum größten Teil Glossaren und Enzyklopädien.
Jaya saß an der Theke, die die Nische abzeichnete und starrte die Glaskanne mit dampfendem Wasser an.
- So, you’re going back to the college?
- I guess. Bejahte Jaya mit trauriger Miene. In den letzten Tagen kam Jaya nämlich häufiger die Frage, ob Kriminalistik, wirklich das war, was sie wollte.
Durch ihr wieder entdecktes Interesse zur Musik, löste sie gestern Abend eine richtige Diskussion aus. Doch schließlich einigten sie sich darauf, dass sie die letzten Semester, die ihr noch blieben, doch lieber fertig machen sollte.
Und so musste sie sich den letzten Vorlesungen stellen.
- What are you staring at? Unterbrach er ihre Konzentration.
- Erm ... the steam ... I wonder if it follows a regularity.
Robert hielt inne. Er fand die Bemerkung zwar witzig, doch er wusste langsam wozu das führen könnte.
- Don’t waste your thoughts on such things. Er schenkte aus der Kanne in die Cafebecher ein.
Better help me to clear for what reason Mrs. Edwards manipulated the files.
Jaya stieg darauf ein. Sie half ihm gerne bei seinen Fällen. Eigentlich war es weniger eine Hilfe, als eher ein gemeinschaftliches Spekulieren.
Für gewöhnlich taten sie es allerdings Abends, immer wenn Robert neue Fakten gesammelt hatte. Und so verließen sie gemeinsam die Wohnung.
Heute sollte es bis zu ihrem Wiedersehen länger dauern, denn Robert wurde aufgehalten – diese Chance musste Jaya nutzen.
Schon in den Vorlesungen drifteten ihre Gedanken ab zu der Cafekanne. Ihrem Volumen, Umfang und breite des Halses. Als sie nun endlich nach Hause kam, setzte sie sich daran diese Maße aufzuzeichnen, den Aufstieg des Dampfes zu beobachten und einzutragen, wie oft er die Glaskante berührt und an welcher Stelle. Rotiert der Dampf oder wirbelt er beim Aufstieg aus dieser Öffnung? Das galt herauszufinden. Die Dunstabzeichnung an den Kanten sah zwar meist ähnlich aus, war jedoch zeitlich unregelmäßig. Doch das wird auch einen Grund haben. Sie probierte es immer öfters, bis sie eine Hypothese ausarbeiten konnte. Nun galt es sie zu Prüfen. Manisch, bekritzelte sie ein Blatt nach dem anderem und kochte Wasser um es nachzugießen, für verschiedene Höhen zu beobachten. Sie fertigte Skizzen an und sogar eine Zeichnung des verdrehten Wasserdampfaufstieges, so wie sie ihn vermutete.
Wie ein Reh durch einen Gewehrschuss, schreckte sie auf, als sie gegen halb zwölf die Schlüssel den Schloss umdrehen hörte. Ihr Herz schien den Notausgang durch den Mund nehmen zu wollen und schlug wie verrückt. Panisch riss sie sich weg von den Berechnungen und versuchte die Zettel zusammenzuräumen und zu verstecken. Doch wovor hatte sie Angst? Hielt sie sich an. Robert weiß doch von ihrer Begabung und Obsession. Er wird dieses Experiment sicher begrüßen. Sie drehte sich um zu ihm, die Kanne und die Zettel hinter ihrem Rücken jedoch versteckend.
- Hello, .. I made us .. .tea? zitterte ihre Stimme.
Der Detektive, der näher kam um seine Geliebte zu begrüßen, wusste sofort was los war.
- You couldn’t give it a rest, didn’t you?
Jaya schüttelte schuldbewusst den Kopf und zog schließlich ein Lächeln.
- Well, than you’ll leave it now.
Sie ließ sich gerne von ihm weg ziehen.

Auch wen sie es – unter großer Anstrengung – schaffte an diesem Abend nicht mehr daran zu denken, so schaffte sie es am nächsten Morgen schon gar nicht.
Zugegeben, neben Robert aufzuwachen, nahm ihr jedes Mal jegliche Sorgen, doch spätestens, als die Glaskanne beim Frühstück wieder zum Einsatz kam, nutzten selbst die warnenden Blicke von Robert nichts.
Nur gegen ein Versprechen, dass Jaya die Finger vom heißen Wasser lassen würde, konnte Robert sie alleine lassen, denn ihre Vorlesungen würden heute angeblich später beginnen.
Unglücklicher weise, vertraute er ihr zu leichtsinnig.
Diesmal beeilte sich der Detektive, aus begründeter Sorge nach Hause zu kommen. Er traf das an, was er befürchtet hatte, wenn nicht schlimmer:
Jaya saß am Boden, da ihre Zetteln längst nicht genug Platz fanden, weder auf dem Wohnzimmertisch, noch am Arbeitstisch, breitete sie sie auf dem Boden um sich herum aus. Diesen Anblick kannte er, so arbeitete sie immer, wenn sie an einem schweren Mathematischen Problem zu arbeiten hatte. Doch nun standen überall zwischen den mit Ziffern und Skizzen beschriebenen Zetteln – Kannen. Sie hatte scheinbar weitere eingekauft. Alles Glaskannen, damit man die Dampfabzeichnung gut erkennen konnte, alle unterschiedlich, dick- oder dünnbäuchig, mit breitem oder schmalen Hälsen, ganzvoll oder nur zur Hälfte gefüllt. Nur manche enthielten noch heißes Wasser. An diesen pickte Jaya buchstäblich. Sie war so vertieft in ihr Studium, dass sie die Schlüssel diesmal nicht erschrecken konnten. Erst als Robert, vollkommen entrüstet vor ihr stand, konnte sie sich los reißen und verwirrt hinaufblicken.
- Don’t tell me, that you weren’t at college today …
Was Jayas Gesicht und Gemüt am besten übertragen konnten, war Reue und Demut. Und so blickte sie nun in der vollendetsten Hundeblick-Art, ihren Fehler bekennend und um Entschuldigung flehend zu Robert. Nach langem schweigen, zog es sie jedoch wieder weg von der Situation und zu den Skizzen, die sie so sorgfältig gezeichnet hatte, den sichtbaren Dampf - kariert dargestellt, wie er seine Meeresalgenartigen Wachstum beschrieb. Ihre Finger juckten, und sie spielte nervös mit dem Kugelschreiber, eine Rechnung betrachtend.
Bauchumfang, Halsumfang, Aufstiegszeit, alles hatte sie schon eingetragen … wenn sie nur noch das ausrechnen könnte … und dann vergleichen …
Beinahe beugte sie sich wieder vor, doch Roberts nachdrückliche Stimme, die nach ihr Rief forderte sie wieder auf zu ihm zu sehen, wie zu einem strengen Lehrer.
- It doesn’t work. Bekannte sie schließlich verzweifelt, fast weinend. I can’t find a formula … there … there is no … Sie konnte es nicht aussprechen. Sie konnte es nicht glauben, dass es keine Gesetzmäßigkeit geben konnte. I just can’t find it!
Beteuerte sie und wollte sich wieder an die Arbeit werfen. Sie musste einen Weg finden. Alles folgte einer Regelmäßigkeit. Doch Robert ließ es nicht zu, er stürzte sich zu ihr um sie schnell davon abzuhalten, den Stift auch nur anzusetzen. Er nahm sie bei den Armen und zerrte sie weg von den Notizen, zur Couch.
- You don’t have to find it.
Dieser Satz klang in der Tat entschärfend. Jaya nahm sich einige Sekunden um die Bedeutung dessen richtig aufzunehmen und musste einen erleichternden Seufzer von sich lassen. Als hauche sie damit tiefsitzenden Schmerz aus. Sie begab sich in Roberts Umarmung, um sich von der schweren Krankheit, die sie so kurzfristig überfallen hatte zu erholen.

Mittwoch, 20. September 2006

The Thing about Irian

Die Tagesverhältnisse interessierten Iam nicht, als sie sich zurück zu ihrer neuen Heimat Insel transportierte. Sie meldete sich bei ihrem Ausbildendem und gab die Ausrüstung ab. Dann musste sie sich bei Rhymes melden.
Er war wie immer in seinem Büro, bei offener Tür, und saß im weichen orangenen Sonnenstrahl, das durch das Fenster einfiel.
„Hallo Iam! Wie war denn dein Dienst?“
“Du weißt doch alles über meinen Aufenthalt bei Sektor 7.”
“Alles außer deinen eigenen Eindruck.”
“Die Blondine ist ein dummes Stück.“
“Verstehe.” Steckte er ganz gelassen weg.
„Und was hat sich hier so verändert, während ich drei Monate weg war?“
“Es gab in der Tat Veränderungen. Wir haben einen neuen Soldaten.” Er schwieg und sah sie dabei abwartend an, was sie dazu brachte, zu sehen, dass da etwas faul war.
„Was für einen Soldaten!?“ presste sie durch die Zähne aus.
„Es ist Irian. In einer gewissen Weise ist sie deine Schwester.”
Iam nickte langsam, mit erhobenen Augenbrauen. Zufrieden sah sie jedoch nicht aus.
„Vielleicht solltest du sie kennen lernen.“ damit stand er auf und Iam musste ihm folgen.

Iam traute ihren Augen nicht. Ihr Mund stand leicht offen, ihre Augen blickten müde aber starr auf die ununterbrochen plappernde neue Rekrutin. Sie war blond. Und ihre goldenen Locken hingen in ihr junges Gesicht. Sie war sechzehn und redete auch so. Umso belebter, als sie erfuhr, dass Iam ihre Sprache sprach.
„I really would like to join you. I would like to learn from you. I know your work. I saw it.” Sie lachte etwas verlegen. “I’m sure my skills still can be reactivated. Or if not, I stil would like to work with you. It would be a honor for me to be a soldier for you.” Sie blickte von Gesicht zu Gesicht. Da Iams Ausdruck sich immer noch nicht änderte, fand Rhymes, dass er für etwas Aufklärung sorgen sollte.
Irian has the energyexchange programmation. But it’s too vivid, we are forced to supress it with a neurosupressant.”
“Yes. But you said there is a programm to improve my programmation.” Bestand Irian, ihre Augen strahlten. Die ganze Zeit verschwand ihr erfreutes Lächeln nicht. Umso schockierter war Iam. Sie war angewidert von ihrer Begeisterung über das, was man ihnen angetan hat. Sie musste diese Begeisterung stoppen. Sie stieg nicht auf Bhasa ein und antwortete in der offiziellen Sprache.
„Die Stabilisator KI ist tot. Das Programm kann niewieder verwendet werden.”
Irians Lächeln verschwand nur ungern. Während ihre strahlenden Augen Iams Blick voller Entzücken standhielten, verschwand es langsam, dann kam es wieder, weil es hoffte, ein Missverständnis läge vor.
Iam nutzte diesen Moment der Verwirrung, drehte sich um und ging. Sie spürte Irians Blick noch an ihrem Rücken und bescheunigte ihren Schritt.
„But, Iam! Wait!“
Sie teleportierte sich weg. Irian sollte ihr bloß weg bleiben.

zwischendurch

Es vergingen in der Tat einige Monate, in denen Iam es geschafft hat Irian aus dem Weg zu gehen. Sie bekam nur ungefragt mit, wie weit Irian schon mit ihrer Ausbildung war. Sie hoffte Irian hatte ihre Lektion gelernt und ging unbeschwert ihren Morgendlichen Beschäftigungen nach.
Sie leibte es vom Rauschen des Meeres begleitet die Küste abzulaufen, die grün, gelb und blaue Landschaft an sich vorbeiziehen lassend. Sie war gerade dabei die große Kurve, die zum alten Torji führte zu erreichen, als sie jemanden hinter ihr her laufen bemerkte. Sie wusste, dass es Irian war. Doch sie tat nichts dagegen und joggte weiter. Sie wäre am liebsten sofort verschwunden, doch warum, das wusste sie nicht, also solle die Kleine doch kommen.
Zu ihrem Erstaunen erreichte Irian sie recht schnell. Als sie ihr auf den Fersen pickte, blieb sie stehen und drehte sich fordernd zu Irian um.
Irian hielt ebenso an, ihre Augen vor der Sonne zukneifend und durchatmend. Eine Zeitlang musterte Iam Irians Gesicht. Sie schien älter geworden zu sein. Iams Mund bewegte sich – sie holte einen Stein von unter der Zunge hervor und spuckte ihn in einem hohen Bogen aus. Auf diese Weise brauchte sie keine Flüssigkeit mit sich zu tragen.
„What do you want again?!“ Sie nickte dabei leicht mit dem Kopf, als wäre sie dabei Prügel auszuteilen.
Doch Irian ließ sich nicht davon abschrecken.
„They said you have the KI of the stabilisator.”
“So…?” Die Spannung wuchs mit ungeheurer Geschwindigkeit.
„I want to have my ability to connect to the other world!“
“So that’s how you call it.”
“Yes, I wanna be a special soldier like you.” Irian ließ sich nicht verarschen und verteidigte sich stolz.
“If Rhymes says your ability has to be suppressed, than it has to be. Basta.”
“But I could use it ... for short at least.”
Iam hatte genug von dieser sinnlosen Streiterei. Sie drehte sich um.
„Ah, don’t bother me.“ Sie wollte gehen.
„Iam!“ hielt sie sie mit einem beharrlichen Schrei auf. „It’s my fate to be in your position!”
Das überzeugte Iam.
“Fate? How dare you to speak of fate after you were born without parents, your cells manipulated without nature designating nothing.”
“Because I saw this …” sie wollte sich beweisen und ihre Augen strahlten voller Überzeugung. „I saw you and your duty… that’s how I found you.”
“What do you mean … how did you ‘found us’?” Iam senkte interessiert ihre Stimme.
„Well I saw this island. In a dream. And Rhymes … his name. So I asked my mother to hire someone to find out about the island…” sie verstand nicht warum Iam sich interessierte. Sprach aber doch langsam weiter. “But than your people already contacted me and picked me up. I agreed immediately, because my parents wanted me to study, but it was definitely not what I wanted.”
Sie wurde immer langsamer mit dem Sprechen, da sie Iams leise Panik bemerkte.
Nur selten brachte Iam etwas auf, doch wenn sie in einer Person drei Dinge, die sie verachtete vereinigt sah, konnte sie ihrem Entsetzen kaum Einhalt gebieten.
Diese Person war aus hohem Stande, maßte sich an eine Fähigkeit zu besitzen, die sie selbst in den Schatten stellen sollte und war freiwillig hier.
„You want to tell me, that you found out by yourself, that you were descended from here?” Ihre Stimme kroch ganz leise, kaum hörbar. “And you seriously want to stay here on voluntary basis!?”
Irian wusste nicht ob sie antworten sollte oder nicht. Sie nickte verwirrt und trat einen Schritt zurück, denn Iams Blick machte ihr allmählich Angst.
„Do you know, how I got here?” keuchte sie weiter. Mit jedem Wort das sie regelrecht aus sich herauspresste schien sie sich zu beugen, als ware keine Luft mehr in ihr. “They killed my friends, my family!” Sie änderte ihre Stimme in einen dumpfen Bass. “They took everything I ever existed for and you want to work for those people voluntarily?” Die Frage klang wieder etwas milder, als würde sie Irian eher anflehen es sich anders zu überlegen. Doch daran konnte Irian nicht wirklich lange glauben. Der Moment des Schweigens war erfüllt von grauenhaften Entsetzen und Hass.
„Get off my sight, traitor.” Presste sie aus sich heraus.
Irian stand jedoch, wie gelähmt da.
„NOW!“ Half Iam ihr nach, ihr Schrei klang so verzweifelt und wütend, dass Irian es für richtig befand zu laufen.

was niemand wissen sollte

Es verging ein weiteres halbes Jahr in denen Iam sich anderen, ihr aufgetragenen Projekten zuwandte und Irian sie insgeheim bewunderte. Es waren meistens Auftragsmorde. Beseitigungen von Personen, die dem Verlauf der Menschlichen Geschichte, so wie es Rhymes sich zu Recht gelegt hat, stören würden.
Es war besonders praktisch, denn sie musste sich nur zu der Person hinüber transportieren und sie geräuschlos ausschalten, ohne dass irgendjemand von einem Mörder gehört oder gesehen hatte.
Das gab Irian natürlich sehr zu denken. Iam war mit ihrer Fähigkeit wirklich ein großer Gewinn für Rhymes. Sie war unschlagbar, keine einzige Mission hatte sie vermasselt. Sie war unbesiegbar. Da wollte sie anknüpfen. Sie forderte Iam heraus. In Schwertkampf. Iams erste Disziplin, die sie selbst in den letzten Monaten zu perfektionieren versuchte.
Iam war Irian inzwischen egal geworden. Sie erfuhr von der Herausforderung beim Essen. Sie akzeptierte zwischen zwei Suppenlöffeln. Keiner konnte sie verstehen, weil sie sich in Bahasa Indonesia unterhielten.
Rhymes erfuhr davon aber noch früh genug.
Er stürmte sofort hinaus, als es ihm mitgeteilt wurde.
Gleich vor dem Eingang, lieferten sich die beiden ihr Duell.
Irian beherrschte sich sogar, wie Iam Barfuss zu kämpfen. Im heißen Sand waren ihre Füße tief vergraben. Ihr Katana hielt sie Schützend vor ihr fest. Iam, ging leichten Schrittes um sie Herum, ihr Schwert gesenkt.
Tatsächlich wollte Iam sehen, wozu ihre kleine Schwester mittlerweile fähig war. Ob sie so gut im Schwertkampf war, immerhin hatten sie die gleiche Programmierung. Sie waren beide sehr aufnahmefähig. Sie spielte sogar mit dem Gedanken, dass wenn es sein musste, sollte Irian sie ruhig töten. Sie wartete nur auf ihren Angriff, schlich um sie herum, wie eine Katze. Aber je länger Irian zögerte desto mehr Angst erkannte Iam in ihr. Vielleicht ein Schneller aber Harmloser Angriff? Gedacht getan. Schneller, als das Auge sieht bewegte sie sich auf Irian zu, man hörte nur die Klingen aufeinander knallen. Irian hatte es gut abgewehrt. Doch erneut wartete sie zu lange. Sie hatten nun die Seiten gewechselt. In der Eingangstür versammelten sich die Zuschauer, Brian, zwei weitere Soldaten und Rhymes. Er zögerte, weil er sah, dass Iam nicht aggressiv war, dennoch war ihm Bang. Er wusste wozu sie fähig war.
Iam dauerte es zu lange, sie wollte Irian schon fast zurufen, sie solle was tun, als sie endlich Angriff. Sie machte eine raffinierte Kombination aus acht Schwerthieben, die Iam allerdings kannte und mit Leichtigkeit abwehrte. Sie zeigte ihr eine bessere. Man konnte gar nicht zählen wie viele Hiebe auf Irian hernieder prasselten. Sie parierte gut, doch wurde leicht überwältigt. Iams äußere Leichtigkeit, mit der sie das Schwert führte, war nirgendwo in den Angriffen zu finden. Sie griff mit aller Kraft und aggressiv an. Irian stolperte. Langsam reizte Iam Irians Unbeholfenheit. Sie wollte ihr keine Zeit mehr lassen, die hatte sie genug. Nun griff sie an. Sie leibte es ihren Gegner in eine Ausweglose Situation zu treiben. Sie liebte es egal welche Waffe dafür zu verwenden. Irian wand und wehrte sich unter ihren Hieben und Iams Augen brannten aufgeregter. Sie spürte Abrisse von fremden Gefühlen. Rhymes wollte sie aufhalten. Das trieb sie voran. Irian gab aber noch nicht auf, sie spürte immer noch ihren Ehrgeiz flammen. Doch nun war es zu spät, Iam entfesselte ihre Kampfkünste. Nun musste sich Irian wirklich beweisen.
Sie parierte sogar wirklich schwere Hiebe. Griff selber an, die Iam aufwendig blocken musste oder knapp entkam. Dennoch schaffte sie es nicht Iam in irgendeiner Weise einzuholen geschweige denn zu besiegen. Gib auf, flehte Iam im Stillen. Der Kampf dauerte zu lange, selbst Rhymes hat sich bereits abgeregt. Es hat schon längst jeglichen Reiz verloren, selbst Iams Begeisterung für den Kampf wich, sie strengte sich nicht einmal mehr an. Sie war es leid mit diesem Schwächling zu Kämpfen. So viel einfacher war es sie einfach zu töten. Und als wäre dieser Wunsch eine Stichflame, entbrennte es in ihr und Steuerte all ihre Sinne. Nun hatte sie wieder Spaß Irian von allen Seiten und Richtungen anzugreifen, sie dachte nicht einmal mehr daran, dass sie gegen eine lebende Person kämpfte. Sie brachte sie zum Stolpern, verletzte sie leicht an der Schulter und so plötzlich sie mit ihrem Schnellem Angriff angefangen so stand sie wieder still, wie ein lauernder Jäger. Sie ließ Irian zu sich kommen, verschnaufen und ihr Ziel wieder fixieren. Da wo sie wieder auf sie zuschritt um sie anzugreifen, ihr Schwert richtete sie nun nach links oben. Iam machte eine kleine Drehbewegung in die Hocke gehend und ihr Schwert rechts unten tief in Irians Körper zu stoßen.
Irians Blick – Iam könnte lachen. Sie fing Iran auf, die vollkommen erstarrt war, die Klinge in ihrem Bauch nicht wahr haben wollend. Wie einen versteiften Körper hielt Iam sie am Kragen fest und blickte in ihre entsetzten Augen. Sie waren nur schockiert, trugen keinen Hass oder Einsicht. Sie waren nur entsetzt, dass sie diese Welt in wenigen Augeblicken nicht mehr sehen würden. Es schauderte Iam. Wozu hat man sie nur gemacht. Eine Tötungsmaschine mehr nicht. Es macht ihr ja nicht einmal aus ein junges Mädchen zu ermorden. Rhymes hat sie dazu gemacht. Doch die Wut, die sie aufrollen wollte, kam nicht. Sie war nicht auf ihn wütend. Sie sah es ein. Keiner war schuld daran. Sie selbst hat es getan. Sie zog das Schwert heraus. Blut spross aus Irians Wunde und Mund, ihr Körper erbebte. Irian hielt noch verbissen fest an ihrem Leben, doch sie konnte nichts mehr ausrichten, es nicht mehr aufhalten, ihre Augen schlossen sich. Und Iam wurde die ganze Welt bewusst. Sie sah alles so klar und deutlich. Verstand jede Kleinigkeit. Sie ließ ihren Blick über die Zuschauer gleiten. Rhymes, auch das verstand sie. Und das hatte sie alles diesem Kind zu verdanken. Sie blickte noch einmal in ihre sterbenden Augen. Energisch presste sie ihre Lippen an Irians und drückte ihr einen hasserfüllten Schmatz auf. Und beide erschütterte etwas. Iam war wie magnetisch angezogen an Irians toten Körper, sie versuchte sich los zu reißen, doch sie hatte das Gefühl als würde sie ertrinken. Zu ihrem offenen Mund strebte ein heller Strahl, der aus Irians Mund herausgezogen wurde. Wie durch einen Schlag, warf es Iam zurück, sie und Irians lebloser Körper fielen mit einer Wucht auseinander auf den Boden. Es brennte in Iams Brust. Wie Sodbrennen – sie lachte. Denn sie spürte darin Irian. Ihr Lachen, ihre Sturheit und ihr Leben.

Montag, 7. August 2006

Schreibübung

oder die Stufenbarren Problematik

Morgenstund hat Gold im Mund. Dieses Sprichwort hat Iam nie beachtet. Nur seit sie auf dieser Insel war, hat sie es neu definiert. Ihr Tag fing am späten Vormittag an. Dann aber richtig. Cornflakes und Training waren ihre ersten Pflichten des Tages. Nach dem täglichen Lauf um die Insel herum, fand sie sich im Trainingssaal ein, dass ihr alle mögliche Auslastung bot. Komplett ausgepolstert, konnte sie sich hier mit ihren Kollegen austoben. Auf der Seite lag eine Nische mit allen möglichen Übungswaffen, ein Stufenbarren und eine Sprossenwand waren aufgestellt. An dieser hing Iam nun kopfüber und streckte sich zu ihren Füßen mit abwechselnden Drehbewegungen.
Sie konzentrierte sich nur auf ihre Bewegung, atmete ruhig ein und aus, spürte ihren Körper arbeiten und stärker werden.
Alles nur Prävention. Ihre Programmierung sorgte zwar für so vieles durch ihre Regeneration aber ihre Ausdauer musste sie sich eigenständig erhalten.
Ausgestreckt, lagen ihre Haare in einem großen Haufen auf dem Boden, der Kopf knapp davor. Sie streckte sich nach oben, als wäre es nicht genug hielt sie in jeder Hand noch eine Hantel. Den linken Arm beugend und streckend am rechten Knie vorbei. Ihre Muskeln spannten sich an, diese Festigkeit unter ihrer Haut – Waden, Oberschenkel, Bauch, Seitenmuskeln, Oberarme.
Schweiß perlte ihr von der Stirn. Sie genoss es, bemerkte gar nicht, dass sie nicht mehr alleine im Raum war.
Erneut streckte sie sich, verkehrt, erkannte sie eine Gestallt. Diese war blond. Was wollte Irian von ihr? Sie ließ die Hanteln fallen, zog sich weiter zusammen.
„What the hell you want?” wieder ausgestreckt.
“I want to learn from you.” Sie grinste schon wieder erwartungsvoll. Iam machte ungeachtet weiter. „I’m serious. I want to be like you, so teach me.“
Iam stockte. Ergriff die oberste Sprosse und sprang hinunter.
Sich mit dem Handtuch das Gesicht abwischend, kam sie Irian näher.
„Brian thought me. Why don’t you ask him.”
Irian ließ sie nicht ausreden. “But you know so much more. We are sisters, we have to be equal!”
Iam schluckte. Was redete das Kind bloß. Sie musste sie loswerden. Um jeden Preis.
„I know so much more because a martial arts master taught me, and after I was trained, he left this world. So what does that tell you?”
Irians Ausdruck verlor an Überzeugung. Sie blickte verwirrt, wenn nicht traurig zu Iam hinauf. Doch ihre Fäuste waren geballt. „It has a reason that I am here …“ beharrte sie vorsichtig.
„So...“ Iams Strenge nahm zu. „Come back, if you can repeat this.“ damit ging sie einen Schritt zur Seite und schlug ein Rad. Machte ein Handstützüberschlag rückwärts, zweimal und kam bei dem Barren an, der einige Meter höher war, als herkömmliche Barren. Mit einem Sprung, als wäre hier ein unsichtbares Sprungbrett, erklomm sie festen Griffes die untere Stange. Brachte sich mit den Beinen in Schwung und hob sich mit den Armen hoch. Ihre Hüften berührten die Stange gar nicht. Sie kippte kopfüber nach vorne und kam in der gleichen Position wieder zurück. Drehte das Salto noch ein Mal und streckte dabei ihren ganzen Körper aus. Sie wiederholte es um dabei Geschwindigkeit zu gewinnen. Die Stange bog sich durch und Irian musste fürchten, dass sie Iam losreißen würde. Kerzengerade schwang sie jedoch ein weiteres Mal. Oben wechselte sie die Armposition und Schwang mit dem Rücken zu Irian durch. Bei einem erneutem Salto, ließ sie die Stange los und flog auf die gegenüberliegende höhere Stange zu. Ihre Hände ergriffen flink die Sprosse. Sie schwang ihre Beine vor sich hoch und verharrte in dieser Position. Kopfüber auf der Stange, drehte sich, um Irian wieder zu sehen. Sie spreizte ihre Beine. So dass sie wie zwei Speere in unterschiedliche Richtungen heraus stachen. An die Stange geschmiegt, vollzog sie ein Salto.
Irian beobachtete eingeschüchtert ihre Bewegungen. Notierte sich, wie Iam mit ihren Armen arbeitete. Denn nun hielt sie sich mit jeweils einer Hand um schwungvoll ihre gestreckten Beine seitwärts über der Stange hinüber zu bringen. Hinter ihrem Rücken wechselte sie dann ihre Hand und wiederholte den Schwung. Wie ein Zirkel beschrieb sie den Kreis mit ihren Beinen über der Stange.
Sie brachte sich wieder nach unten um auszuschwingen und ließ die Stange los. Die Strecke zur gegenüberliegenden Seite, füllte sie mit einem doppelten Salto.
Man sah ihre Oberarme an und ab schwellen. Die angespannten Muskeln, hielten sie oben in einem Handstand fest. Sie drehte sie sich um 360° auf einer Hand. Holte sich mit einigem Salto erneut mehr Geschwindigkeit und warf sich wieder auf die andere Sprosse. Ein halbes Salto schlagend, ergriff sie die Stange diesmal von unten. Kaum konnte Irian richtig mitkommen, als sie diese schon wieder los ließ. Als müsste sie sich lediglich umdrehen und nach der unteren Stange greifen, flog sie diese halbe Umdrehung in der Luft. Sie schwang nur einmal schnell durch, wechselte die Hände oben um die höhere Stange zu sehen und verließ die Stange wieder mit einem Salto. Geschickt bremsten sie ihre Hände ein und kaum eine Sekunde verging, als sie sich wieder los riss und von der höheren Stange absprang. Ihre Flugbahn korrigierte sie mit einer Schraube, um auf der Sprosse mit den Füßen zu landen. Balancierte sich schnell mit den Armen, und drehte sich mit einem federleichten Schwung auf den nackten Füßen zu Irian. Nun verharrte sie eine Weile in dieser Ruhe.
Irian versuchte sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen. Iam wartete nur darauf, bis Irian nur noch da stand und abwartete. Dann holte sie mit den Armen aus und sprang in die Luft. Sie war etwa einen Meter über der Sprosse und schien nun ungebremst hinunter zu fallen. Schon kippte ihr ausgestreckter Körper und ihr Kopf flog nur so auf den Boden zu. Ihr dicker Büschel Haare berührte den Boden und wurde wieder hinauf in die Lüfte getragen – Iam schwang wieder nach oben. Schockiert führte Irian den Blick hinauf zu ihren Füßen. Iam hatte die Stange mit ihren einzelnen Füßen umklammert. Der rechte Fuß stand auf der Stange und der Linke drückte von unten. Irian konnte durchatmen, und ihr Herz wieder schlagen hören. Zum Glück für Iam, sah Irian nicht, wie schmerzverzerrt ihr Gesicht war, als sie das Salto durchdrehte und der Druck auf ihren flachen Füßen lastete. Ihr Gesicht brachte sie wieder zur vollkommenen, stoischen Ruhe, die sie so sehr brauchte um Irian einzuschüchtern. Nun stieß sie sich einfach leicht mit den Füßen ab, drehte ein kleines elegantes Salto und landete mit einem dumpfen Aufprall mit den Füßen fest auf dem Boden.
Die ganze Zeit unterbrach sie ihren Blick zu Irian nicht. Sie suchte noch etwas zu sagen, doch besser war, sie beließ es dabei. Und bevor Irian etwas sagen konnte, machte sie sich sofort aus dem grünen Staub und teleportierte sich weg.
Irian blieb alleine im weißen Raum stehen und wusste nicht, wie ihr geschah.
„Don’t worry.“ Erkannte sie die helle Stimme des ersten Soldaten, Brian. Er stand in der Tür und zog ein breites Grinsen. „She always does that, if she wants to impress.“


Wenn die Saltos und Sprünge etc, nachvollziehbar sind, dann schreit yeey und ich betrachte es als eine Eins auf die Übung *g*

Mittwoch, 19. Juli 2006

Der Anfang

Die große Stadt dehnte sich über eine große Strecke genauso zäh, wie sie sich in die Höhe ausstreckte. Überschattete all die kleinen Gassen, im den noch so abgelegendsten Teilen. Die engen, dreckigen und stickigen Gossen, wo sich nur noch der Abschaum dieser riesigen Stadt versammelte. Ein kleiner Kanal führte durch dieses enge Wohngebiet. Schmutziges Wasser, vernachlässigter Graben. Alte verfallene Häuser, reihten sich an der rechten Seite. An der anderen war
ein Zaun trennte weitere noch kleinere verfallene Häuser. Über all denen ragten die Türme der inneren, zivilisierten Stadt hervor.
JakartaDie Straße war eine Sackgasse, das Wasser mündete in eine Wand aus Dreck. Als ganz letztes Haus unter all diesen schäbigen Reihenhäusern mit niedrigem Dach, war eine große Halle, die eher einer Garage glich. Diese war sehr begehrt. Tagsüber kühl, Nachts zu Kalt – aber dennoch ein wertvoller Lebensraum. Verlassenes Lager eines alten Fabriksgebäudes.
Es dämmerte.
„Diese Gasleitungen, ich denke, wenn wir sie wieder auf Vordermann bringen, werden wir ein bisschen Wärme abbekommen.“ Eine großgewachsene Junge Frau, mit kurzgeschorenen Haaren, dürr, dass nur noch die paar Klamotten sie auffüllten, wies sie zwei Junge Männer an, die nicht anders als sie aussahen, ausgezehrt, schäbig gekleidet, geduckt.
„Bayani! Komm her!“ Sie rief einen ebenso großen jungen Mann heran, der allerdings etwas mehr Statur aufwies. Sein Gesicht war ernst, wie das von ihr. Sie waren hier die Verantwortlichen. „Und? Meinst du wir sollen es versuchen?“
Bayani kletterte unter Rohrgewirr und besah sich die Anschlussstelle.
Er kam wieder hervor. „Draußen sehen die Leitungen in Takt aus, sie müssen es noch verwenden.“ Er blickte wieder zu den drei jungen Burschen. „Die Anschlussstellen schauen sauber aus, versucht es so gut wie möglich zu verdichten.“ Sein düsterer Blick wich nicht, er drehte sich um und ging. „Iam, komm mit!“ rief er sie hinzu.
Sie sah nicht, wie alle anderen aus. Bayani hatte eine Erdnussbutterfarbene Haut und seine Augen waren leicht angespitzt. Sie hingegen trug eine Bräune, die jeder Weiße tragen würde und ihre Augen waren rundlicher. Ihr flaches Gesicht allerdings bestand darauf asiatisch zu sein.
Sie betraten den großen Raum, unterbrochen von Säulen, dicht bedrängt waren Schlafplätze ausgesät, an denen sich Kinder verschiedensten Alters umhertummelten. Einige große Mülltonnen standen umher, in welchen ein leises Feuer vor sich hin flackerte.
„Hey, Luku! Was soll das!? Leg dich endlich schlafen!“ rief Iam einem Unruhestifter, ganz hinten in der Ecke, zu. Er war gerade mal acht und ärgerte die gleichaltrigen Mädchen um ihn herum. Alle mit Kurzgeschorenen Haaren, nur wenige fielen durch ihre weiblichen Züge als eindeutig Mädchen auf. Die Kinder waren alle warm gekleidet, sie hatten alte Jacken abbekommen, von denen schon längst jegliche Farbe gewichen ist. Der Junge hörte auf die Älteste und setzte sich hin, die Mädchen folgten seinem Beispiel und schlüpften unter die zerrissenen Decken. Näher zum Eingang stieg das Durchschnittsalter der Kinder an, draußen, ganz leicht gekleidet saßen die Jugendlichen von siebzehn bis neunzehn Jahren. Sie alle saßen um eine Feuertonne und redeten wild durcheinander.
Bayani und Iam gingen hinaus auf die Straße, die Halle hatte früher Mal ein großes Tor, jetzt musste der Eingang ständig bewacht werden. Sie selbst ersetzten das Tor - zum Schutz, der an die zwanzig Straßenkinder, die sie hier in ihrer Obhut hatten.
„Diese Kerle dort drüben sehen aus, als würden sie noch Ärger machen.“ Bayani wies auf drei Männer in dunkler Kleidung auf der anderen Seite des Kanals hin. Sie hockten bei einander und spähten hin und wieder zu ihnen hinüber.
„Wo ist Amil?“ sorgte sich Iam.
„Er holt noch die letzten ein.“
„Oh, haben sie noch etwas eintauschen können?“
„Ja, sie haben heute fünf Kreditkarten erbeutet.“
Iam zog automatisch ein glattes Lächeln. Ihr Blick wanderte hinaus auf die Straße. Überall am Kanal entlang saßen Grüppchen von Obdachlosen an einem Feuer zusammengedrängt. Manche an dem Eingang zu einer verfallenen Hütte, sie beschützend. Für diese Gasse gab es nur einen Eingang, dort ließen sich langsam fünf Gestalten erkennen. Ein großer dürrer Jüngling, stolzierte allen voran, die alle absteigend kleiner wurden, ein recht großer heller Hund lief ihnen hinterher, ebenso froh mit dem Schwanz wedelnd. Je näher sie kamen, desto mehr erkannte man Amils zufriedenes Grinsen. Er blieb vor Iam und Bayani stehen, während die Jüngeren herein liefen und sich ihre Schlafplätze suchten.
„Reicht für ein ordentliches Mittagessen.“ Strahlte er. Bayani behielt jedoch seine grimmige Miene. „Morgen dann.“ Er nahm ihn bei der Schulter um ihn so hinein zu weisen. Warf noch einmal einen Blick in Richtung der drei Kerle.
Der Hund, der bisher nur mit wedelndem Schwanz doof umhergelungert ist, hielt plötzlich still und lauschte. Kaum, bemerkte Iam seine Reaktion, riss es sich los und rann mit voller Wucht zum Ausgang.
„Malay!“ rief eine Mädchenstimme beunruhigt aus dem Lager.
„Ich hohl ihn, geh rein!“ Hielt Iam sie zurück mit einem Lächeln und lief hinter her, ihm nach pfeifend.
Sie folgte ihm fast hinaus auf die Hauptstraße, wo er nicht den geringsten Anschein machte anhalten zu wollen. Sie blieb stehen, überlegend ob sie ihm noch nachlaufen sollte, bis eine ihr bekannte Stimme einen Schrei von sich gab, ihr die Entscheidung abnahm. Sie blickte zurück. Die drei verdächtigen Männer stürmten tatsächlich nach vorn und versuchten ihr Lager zu stürmen, einer hatte etwas in der Hand. Sie erkannte eine aufblitzende Klinge. Sofort rannte sie dorthin.
Bayani versuchte den einen großen abzuhalten. Sie sah ihn stolpern und nieder fallen. Sie schrie und rann so schnell sie konnte, aus dem Nichts erschallte ein lautes Krachen, eine Wucht schleuderte sie weg. Die Angreifer flogen in unterschiedliche Richtungen. Iam schlug auf ihrem Rücken auf. Schutt und Glas prasselten auf sie herab.
Eine Zeitlang lag Iam am Boden ohne zu verstehen, was passiert war. Wie versteinert versuchte sie sich wieder zu bewegen. Stein und Schutt fielen von ihr, ihre weit aufgerissenen Augen suchten ihr Blickfeld ab um zu verstehen was los war. Der Kerl mit der Axt, lag neben ihr, auf seine eigene Axt gefallen – tief bis zum Griff steckte sie in seiner Brust – sein Gesichtsausdruck versteift in Entsetzen.
Bayani, sie riss sich zu ihm, sein Kopf blutete. Panik kroch ich ihr auf, schnell sprang sie auf, um zu sehen was eigentlich passiert war, was war explodiert!? Das Lager – der Schutt davon lag bis in den Kanal zerstreut, die Häuser daneben ebenso platt, nur das wuchtige Betondach ihres Unterschlupfes hielt noch. Sie schrie entsetzt und rannte über die verschüttete Brücke hinüber. Glas von den oberen Fenstern - überall auf dem Boden, sie trat darauf mit nackten Füßen ohne es wahr zunehmen, sie versuchte irgendwas zu erkennen, doch sie sah nur Rauch, Feuer, die Säulen - alles versperrte ihr die Sicht. Wo waren all ihre Freunde, all die Kinder? Sie konnte keinen sehen, sie riss sich hinein, schrie, rief nach jemanden, sie sah nur Schatten, auf dem Boden liegen, sie heulte viel lauter auf, sie konnte nicht vordringen, es brachte nichts, sie konnte sie nicht retten. Sie fiel auf die Knie, die Hitze - sie nahm sie gar nicht wahr. Sie zitterte an ihrem ganzen Körper, ihre Tränen hörten abrupt auf, sie sah ihre verkrampften Finger. Sie musste doch etwas tun. Mit einem Ruck riss sie sich auf – Bayani, sie lief zu ihm, packte ihn am Kopf. Sein Blut ergoss sich über ihre Hände. Der Schädel baumelte leblos in ihrem Griff. „Nein! Nein. Wach auf!“ sie lies nicht von ihm ab. Doch lebloser konnte sein Körper nicht sein. Die anderen zwei Kerle pickten geschockt am Zaun. Die ganze Gasse spuckte all ihr schockiertes Leben hinaus. Alle starrten ungläubig zum Explosionsursprung. Stille. Man hörte nur das Feuer brennen und einige Splitter abfallen. Das einzig menschliche Geräusch war Iams Wimmern.

Feuerwehr, Polizei, Rettung – höchst unmotiviert, aber sie waren da, beseitigten das Chaos. Leichen in schwarze Säcke gepackt, wurden wegtransportiert … zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn … Iam saß gegenüber, am Zaun, sah sich das alles an. Konnte ihren Blick nicht trennen. Konnte sich nicht bewegen. Ihre Augenbrauen erstarrten trüb verzerrt. Finsteres Gesicht doch ohne Trauer, ohne Tränen. Ihre Hände, sich in einander verkrampft. Keiner konnte sie ansprechen. Etwas weiches lief unter ihre Hände, strohiges aber warmes Fell – der Hund, wieder zurück gekommen, wand sich um sie herum, freudig sie wieder zu sehen, hechelte, wedelte, schmiegte sich an. Sie konnte ihre Hände nicht bewegen, doch sie sah ihn. Der Hund – Malay. Dieser flauschige Köter. Wenn er doch nicht gewesen wäre. Sie trennte ihre Hände und grub sie in sein dickes Fell, erspürte seinen Hals, packte ihn und drehte ihn mit einem Ruck. Lautes Knacksen erklang mit Echo, der Hund sackte tot zusammen.
Nun erntete sie all die Blicke. Die Polizisten sahen es nicht gern, die Nachbarn schockiert. Ein Uniformierter steuerte auf sie zu.
Motivation ergriff sie, sie musste weg. Stand auf und wollte weg, schrie den Polizisten an, stieß ihn weg, beschleunigte ihren Stritt. Laufend verlies sie die Gasse. Nur weg hier, nicht aufhören. Es war Zeit das Ende dieser verfluchten Stadt zu finden.

If you like it, cry yeaa, and you'll get more ;)